Grenzverletzung erlaubt!
KlassikSommer 2010 reißt Mauer zwischen Klassik und Unterhaltung ein
Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, stand Pate für das Eröffnungskonzert des KlassikSommers 2010: Was passt besser zu einem Festival, das konsequent Grenzen überschreitet: Zwischen Unterhaltung und vermeintlich „ernster Musik“, zwischen konventionellen Konzertsälen und Schauplätzen, die üblicherweise alles andere als Musik beherbergen, zwischen Hamm und den Städten der nahen Umgebung. Einer, der Grenzen konsequent missachtet, ist auch Martin Stadtfeld: Er verstörte die Gralshüter des Bach-Werks, als er die heiligen Goldberg-Variationen unkonventionell und frisch spielte. Er ist auch jemand, der mühelos Verbindungen knüpft zwischen amerikanischer Moderne wie Gershwins „Rhapsody in blue“ und barockem Bach.

Freiheiten im Umgang mit klassischen Inspirationsquellen nehmen sich auch die Klazz-Brothers heraus. Sie improvisieren, wie es auch schon Bach, Beethoven und vor allem Mozart taten.
Wie Bach klingt, wenn er auf der Orgel gespielt wird, weiß man. Wie jazzig eine Orgel sein kann, wenn ein Saxophon den Ton angibt, beweisen David Timm und Reiko Brockelt in der Rhynerner Pfarrkirche St. Regina.
Klassik? Klezmer? Weltmusik? Egal! Findet David Orlowsky und kreiert kurzerhand eine neue Gattung: „Weltkammermusik“ nennt der Feidmann-Schützling das, was er gemeinsam mit seinen Trio-Kollegen schuf (Wasserturm).
Endgültig jenseits der Grenze zur U-Musik angekommen sind „voice, strings & fire“. Vier klassisch ausgebildete Streicher mit Gold in der Kehle packen im Audi-Potthoff-Hangar ihre persönliche Schatzkiste mit Klassikern der Pop-Kultur von Beatles über Santana bis Sting aus.
Dass es vom mittelalterlichen Mönchsgesang bis zu den Comedian Harmonists kein weiter Weg ist, hört man bei den fünf Ex-Thomanern von „amarcord“ (Zeche Westfalen).
Zwischendurch frönt der KlassikSommer der reinen Klassik auf brillantem Niveau. Dass auch die Unterhaltungswert hat, wusste niemand besser als der „Junge Wilde“ Wolfgang Amadeus Mozart. Titus, der römische Feldherr, ist Titelheld der konzertanten Oper im KlassikSommer 2010.
Unter dem Patronat seines Namensgebers Apoll, des Gottes der Musik, hat sich das delian::quartett auf den Engelsflügeln euphorischer Kritik zum internationalen Erfolg gespielt. Auf Gut Drechen bringt das junge Streichquartett die Sinne der Zuhörer zum Schwingen.

Schwelgerisch und melodienselig wie pure U-Musik klingt Klassik „made in France“. Nur fehlen hierzulande leider meist konzerttaugliche Kathedralen mit klangstarken Orgeln. Immerhin: Eine Industriekathedrale mit großen Klangmöglichkeiten hat der KlassikSommer mit der Alfred-Fischer-Halle. Fehlt die Orgel: Für Camille Saint-Saëns´ Orgelsinfonie, einen echten Ohrwurm der französischen Orgelsinfonik, reist deshalb die Konzertorgel der Salzburger Festspiele an.
Melodien unterm Eiffelturm haben es auch Mike Svoboda und seinen Mannen angetan. Sie lieben „French Kitsch“ und malen sich mit Posaune, Akkordeon und Kontrabass aus, was wohl – musikalisch - passiert wäre, hätte der „Amerikaner in Paris“ George Gershwin Edith Piaf, „den Spatz von Paris“, getroffen…
Zart und filigran im Klang finden Christina Fassbinders Querflöte und Volker Sellmanns Harfe zueinander. „Nuances“ heißt ihr Programm, das frankophiles Flair in die derzeit wohl stimmungsvollste Gastronomie in Hamm, aufs neu eröffnete Gut Kump, zaubert.
Tickets und Info unter www.klassiksommer.de und Tel. unter 02381-175555